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 Teek - aus der Sicht seines Kumpels, dem Doberman Kyle

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 Teek

Gefangener Rächer
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BeitragThema: Teek - aus der Sicht seines Kumpels, dem Doberman Kyle   Sa Jul 21, 2012 9:25 pm


TEEK





Name: Mein Freund heißt Teek. Ich weiß nicht, ob das etwas bedeutet, aber der Name klang immer so, als hieße er etwas. Den Namen hört man nicht oft, zugegeben, und er klingt schön. Aber Teek selbst hat sich nie etwas daraus gemacht, wie er heißt. Er ist kein Egoist. Ach ja..er hat einen ganzen Namen, der Glückliche. „Amaroq Teek, Silent Nag.“ Das klingt wie eine Beschwörung, ist aber nur ein Zuchtname. Übersetzt ist es ein Gemisch aus vielen Sprachen und bedeutet „Der Wolf Teek, die leise Schlange“.

Titel: Titel, ja, davon hatten Teek und ich ziemlich viele. „Bastarde“ nannten uns die Menschen, „Köter“, „Abschaum“. Diese Namen trugen wir mit Stolz, waren sie doch der Beweis dafür, dass wir es geschafft hatten, bei unseren Feinden, den Menschen, Ärger zu provozieren. Aber es gab auch schöne Titel. Die anderen uns bekannten Straßenhunde nannten Teek „Krieger“ oder „Wolfsherz“. Sie blickten zu ihm auf als eine Art Anführer, und ich war sein kleines Helferlein. Teek war das egal. Ihm war so viel egal, und doch kämpfte er auch für so viel. Ich kam mir manchmal mehr vor wie sein Diener als wie sein Freund, denn ich spielte in seinem Leben nur eine kleine Rolle, aber die reichte mir auch schon. Na ja, zurück zum Thema. Sein wirklicher, geheimer, schön klingender Titel, den er nur mir verraten hat, lautet „Gefangener Rächer“. Und das passt. Das passt beängstigend gut.

Alter: Teek und ich, wir waren nicht gleich alt. Teek war sogar jünger als ich, ein Jahr jünger, auch wenn er sich immer benahm wie ein älterer, respektverdienender Hund, der schon allerlei Erfahrung hatte. Er dürfte inzwischen viereinhalb Jahre alt sein. Ich kenne ihn somit schon Zweiundhalb Jahre.

Geschlecht: Teek war ein Rüde. „Männerfreunde“ waren wir. Es war eine schöne Freundschaft mit ihm, wirklich. Aber ich will nicht abschweifen. Nie habe ich es erlebt, dass Teek einer Hündin nachgeguckt hat. Er war nicht der Typ dafür. Er hat sich Hündinnen gegenüber benommen wie gegenüber Rüden, wenn auch vielleicht etwas freundlicher, was an seinen hündischen Instinkten lag. Für ihn waren Hündinnen und Rüden einfach Hunde. Während ich zugeben muss, dass ich schon einige hübsche Hündinnen zurücklassen musste, was mir sehr Leid tat.

Rasse: Teek und Rasse? Er war ein Mischling. Den Schäferhund sah man sehr deutlich bei ihm. Aber was ansonsten drin war, weiß ich nicht. Manche Straßenhunde fragten mich, ob mein Freund ein Wolfshybride sei. Sie fragten nie direkt Teek, dazu war er zu furchteinflößend. Ich glaube nicht, dass er das absichtlich machte, aber irgendwie flüsterten die Hunde hinter seinem Rücken und das einzige, was sie ihm sagten, war ein kurzes „Hallo“ oder „He, Wolfsherz, dort hinten auf dem Platz mit dem Brunnen wurde gerade der Mülleimer gefüllt, falls du Hunger hast“.

Läufigkeit: Teek war nie läufig. Rüden sind ja das ganze Jahr über emfpangsbereit, wie man so schön sagt, aber bei Teek frage ich mich manchmal, ob er kastriert wurde. Er bekundete ein so offensichtliches Desinteresse an Hündinnen, dass einige von ihnen direkt beleidigt waren.

Krankheiten: Teek war gesund. Er hatte viele Narben, aber die waren alt, sie bereiteten ihm keine Schmerzen. So, wie er sich manchmal benahm, hätte man denken können, er hätte epileptische Anfälle, aber ich habe ihn oft beobachtet und bin zu dem Schluss gekommen, dass seine einzige Krankheit in der Seele liegt. In den Erinnerungen an das, was er vorher erlebte, Erinnerungen, die jetzt sein Denken vergiften. Allergien hatte er auch keine. Teeks Körper war stark und bereit, dem harten Leben zu trotzen.






Niemand würde Teek je mit einem reinrassigen Schäferhund verwechseln. Er ist nicht hässlich, nein, aber er ist nicht so breit gebaut wie ein Schäferhund, auch wenn er immer noch größer und imposanter ist als die meisten Hunde. Ich habe ihn immer bewundert mit dem rauen braunen Fell, das helle und dunkle, schmutzig aussehende Nuancen hatte und auch schwarze Stellen. Statt wie die eines echten Schäferhundes zu stehen, hatte er Kippohren, die er bei Bedarf zwar aufrichten konnte, die er aber meistens wie Schlappohren trug. Manchmal habe ich mich gefragt, ob man ihm die Ohren kupiert hatte, denn sie waren so klein und muschelförmig wie meine, und diese wurden mir kupiert. Aber vielleicht lag es an der Rasse. Teeks Mutter muss eine von den „grauen“ Schäferhunden gewesen sein, wie man sie nennt, das sind etwas dunklere Schäferhunde mit grauen Nuancen. Seine schlanken, muskulösen Beine sind hell gerstenfarben, ansonsten ist er in etwa so gezeichnet wie ein grauer Schäferhund. Er hatte kurzes, nicht sehr weiches Fell, dass nur an Bauch, Brust, Ohren und Flankeninnenseite weich, ja geradezu flauschig war.
Wie ich ihn bewundert habe. Wenn er da stand und auf alles hinabblickte, ja, denn selbst wenn er zu einer Katze, die in einer Dachrinne saß, hinaufschauen musste, lag in seinen dunklen kastanienbraunen Augen immer ein überlegener Ausdruck, und selbst ein Elefant würde sich klein fühlen, wenn er diesem Blick begegnete. Teek war voller Narben, einige waren unsichtbar unter seinem dichten Fell, andere sah und spürte man umso besser. Wenn Teek wütend war, wirklich wütend, konnte er furchteinflößend aussehen. Sein Nackenfell sträubte sich, seine schwarzen Lefzen waren zurückgezogen und gaben die gebleckten, leuchtenden gelblich weißen Reißzähne frei. Tödlich glitzerten sie in seinem Maul, es war beeindruckend. Die Muskeln spielten unter seinem Pelz, sein Nasenrücken lag in Falten, er hatte sich leicht nach hinten gelehnt, als sei er schon sprungbereit. Aber das Beeindruckendste waren seine Augen. Sonst blickten sie teilnahmslos, kühl und glanzlos, wie dunkle Murmeln, aber wenn Teek wütend war oder kurz davor war zu kämpfen, glänzten sie, derart leidenschaftlich und wild, dass man schon vor dem Blick in die Knie ging und es aussah, als wäre Teek verrückt. Was er ja vielleicht auch war. Verrückt, aber die wichtigste Person in meinem Leben.

Größe: in cm
Gewicht: wie schwer ist dein Charakter?
Besonderheiten: Oh, Teek erkennt ihr schon, wenn ihr ihn seht, daran gibt es keinen Zweifel. Und ihr werdet ihn nie mehr vergessen. Er euch auch nicht. Teek vergisst nichts. Manchmal konnte er unauffällig sein, wenn er das Fell anlegte und das Maul schloss und Kopf und Schwanz etwas senkte. Das war ihm auch vollkommen bewusst, denn er tat das immer, wenn er sich jemandem unbemerkt nähern wollte.
***



Teek und sein Charakter? Ihr fragt mich Sachen...was man zuallererst wissen muss, ist der Grund, warum ich euch so wenig über ihn erzählen kann: Teek war ein ziemlich unnahbarer Typ. Ich gehöre zu dem engen Kreis Hunde, mit denen er sich vernünftig unterhielt. Aber selbst mir verriet er sehr wenig über sich selbst. Ein Hund, der einerseits völlig ruhig und gelassen zuließ, dass das Leben ihn umherwirbelte wie ein Blatt im Wind und ihm alles nahm, der für seine Freunde, auch wenn er es nie zugab, alles tun würde, sogar sein Leben für sie opfern würde, ein schweigsamer Hund, ein geborener Anführer. Ein Hund, der andererseits in manchen völlig normalen Situationen plötzlich ausflippt, knurrt und beißt, ein jähzorniger Rüde, der alles niedermähen will, was sich ihm in den Weg stellt. Der keinen Sinn für Humor hat und doch Mitleid kennt.
Ihr dachtet, Teek wäre ein Killer, ja? Ein Irrer vielleicht auch noch? Wenn ihr das laut gesagt hättet, hättet ihr es mit mir zu tun bekommen. Teek hat nie – und ich wiederhole es, ich brülle es auch, wenn ihr wollte – nie einen anderen Hund getötet, wenn er keinen Grund dazu hatte. Nie. Teek war kein Mörder. Manchmal, da tickte er aus, er war eine Zeitbombe, aber er war kein Kopfloser. Wenn wir einen Welpen trafen, der seine Mutter verloren hatte, was tat Teek? Er brachte den Welpen in ein sicheres Versteck und wärmte ihn, während ich nach der Mutter suchen sollte. Das sah ganz anders aus, wenn der Welpe in Teek hineinrannte. So etwas empfand Teek als Verletzung der Privatsphäre und Respektlosigkeit. Wenn das passierte, sprang er hoch und stieß ein Brüllen aus, eine Mischung aus Knurren und Kläffen. Mit gebleckten Zähnen packte er den Welpen am Nackenfell und schleuderte ihn durch die Luft, und in so etwas war er geübt. Dann sprang er hinterher und das genügte, um dem kleinen Hund Beine zu machen.
Tja, ich habe schon so viel erzählt und mir kommt es immer noch so vor, als wäre es mir nicht gelungen, Teeks Charakter in Worte zu fassen. Da ist noch so viel. Aber wenn ihr ihn seht, werdet ihr es selbst herausfinden.

Vorlieben und Abneigungen
Es ist schwer zu sagen, was Teek mochte und was nicht. Desto mehr ich erzähle, desto mehr fühle ich mich, als wäre Teek für mich wie ein seltsames Anschauungsobjekt der Forschung gewesen, das ich ergründen wollte, und ich für Teek nur ein nebensächlicher Diener, ein Mittel zum Zweck. Zu welchem Zweck, weiß ich allerdings nicht. Na ja...lass uns beim Thema bleiben. Es gab schon einige Sachen, die Teek mochte. Er mochte die Natur und alles, was damit zu tun hatte, also jedes Wetter, frische Luft, Wälder, Schluchten, Flüsse. Er mochte Stille, Ruhe und entspannte Momente. Und er mochte mich. Ich bin mir ganz sicher bei diesen drei Dingen. Immer, wenn wir auf dem Kamm eines Hügels standen, machte Teek den Eindruck, dass er zufrieden war mit sich und der Welt. Nur dann. Er mochte solche Momente, wenn wir nebeneinander standen, tief die frische Luft einsogen und uns den kalten Wind übers Fell streichen ließen, wenn unser Fell sich in stummer Eintracht berührte. Und er mochte den Regen, den Schnee, Gewitter, jedes Wetter eben.
Aber er hasste auch viele Dinge. Der Hass verzerrte sein Leben. Da waren beispielsweise Angeber. Teek selbst war kein Angeber, und Rüden, die sich selbst in den Mittelpunkt stellten, konnte er gar nicht leiden. Auch Rüden, die sich als „Macho“ ausgaben, um die Hündinnen zu beeindrucken, und die sich benahmen wie der Boss, hatten keine guten Karten bei ihm. Teek tolerierte keine Angeber und Großmäuler in seiner Nähe. So war das. Und irgendwie fand ich immer, dass er Recht hatte. Auch Menschen konnte Teek nicht leiden. Er hasste sie über alles, aber das war gegenseitig, denn er war als der „bissige Teufel“ überall in der Stadt wohlbekannt. Das muss man verstehen. Er hat viel Schlimmes erlebt. Die Menschen verachtete er, es waren seine tiefsten Feinde. Und er hasste es, wenn er bloßgestellt wurde. Das passierte zwar so gut wie nie, aber seiner Meinung nach schon zu oft. Dann wurde er wild. Er raste vor Wut. Er konnte es nicht haben.

Stärken und Schwächen
Teek war alles andere als perfekt. Er hatte viele gute, aber auch viele schlechte Seiten. Er konnte gut kämpfen. Ob das ein Vorteil ist, weiß ich nicht. Für ihn vielleicht, für die anderen nicht. Jeden Kniff kannte Teek, er wusste seine Schnelligkeit und Kraft so einzusetzen, dass er mit ihr siegte. Nicht einmal ich hätte eine nennenswerte Chance gegen ihn gehabt. Die meisten Hunde kniffen schon, wenn er sich drohend aufrichtete und sie mit gefletschten Zähnen feindselig anfunkelte. Und Teek war ein sehr treuer, großmütiger Freund, denn er ließ mich nie im Stich und obwohl ich durchaus in der Lage bin, für mich selbst zu sorgen, wäre ich ohne Teeks Hilfe schon ganz schön in Schwierigkeiten geraten. Er hatte den ausgeprägten Beschützerinstinkt eines jeden gut ausgebildeten Polizeihundes, niemand durfte mir oder einem anderen Freund – auch wenn es nur Wenige gab – etwas antun. Und Teek war klug. Auf jede Art, die ich kenne. Er war intelligent, denn er merkte sich immer sofort, ab wie viel Uhr die Metzgerei offen hatte und wann der Metzger Mittagspause machte, sodass wir uns heimlich bedienen konnten. Er war schlau, oder besser gesagt gerissen, denn er schaffte es immer, sich auf der Flucht vor den Hundefängern in eine Seitenstraße zu stürzen und zu entfliehen. Nein, Teek war gewiss nicht dumm.
Aber er war keiner von den normalen, niedlichen Schoßhunden, die nach Schmetterlingen springen. Er war jähzornig und unberechenbar. Wirklich. Man wusste nie, wann und ob er ausrasten würde. Mit der Zeit lernte ich zwar, dass er „gute Tage“ und „schlechte Tage“ hatte, aber das Risiko, etwas Falsches zu sagen oder zu tun, blieb immer. Ein Wort reichte, um seinen unbändigen Zorn zu provozieren. Man könnte es mit einer tickenden Zeitbombe vergleichen. Schlechte Laune hatte er vor allem an heißen Tagen. Insgesamt ging es ihm an heißen Tagen nicht sonderlich gut, er lag dann meistens einfach teilnahmslos da, war schlapper als sonst und geriet sofort ins Hecheln, obwohl er doch sonst so ausdauernd war. Ich schließe daraus, dass der Sommer nichts für ihn und sein dichtes Fell war. Ja....klar gibt es noch mehr Schwächen, viel mehr, aber ich kann nicht so viel Schlechtes über einen guten Freund sagen. Er war ein Eigenbrötler, falls das als Schwäche zählt. Er stieß andere meist mit seinem Willen, alleine zu sein, vor den Kopf, und in Gesellschaft anderer Hunde, mich ausgenommen, wirkte er immer gereizt und schlecht gelaunt.

Ängste:
Teek und Angst? Manchmal, da könnte man denken, Teek hätte vor nichts Angst und würde der Zukunft furchtlos ins Auge blicken. Die meisten Hunde denken das. Aber das wäre dann doch etwas unrealistisch. Ich weiß, dass Teeks größte Angst der Tod ist. Manchmal träumt er. Ich weiß, es ist nicht nett, aber wenn er im Schlaf spricht, lausche ich. Ich werde nicht verraten, was ich erlauscht habe, aber daraus konnte ich mir zusammenreimen, dass Teek genauso wie jeder andere Hund Angst davor hat, zu sterben, und sich fragt, was danach passiert. Und er hat Angst vor seinem Ausbilder, fürchterliche Angst. Das verrät er niemandem, er würde sich sonst verletzlich vorkommen. Aber einmal sind wir in die Gegend zurückgekommen, wo Teek und ich davor lebten. Wir erinnerten uns beide nicht, und erst als wir den umzäunten Trainingsplatz der Polizeihunde direkt vor uns auftauchen sahen, wo Teek ausgebildet worden war, fiel uns ein, wo wir waren. Ich reagierte locker. Aber Teek versteifte sich. „Komm“, knurrte er, und es klang aufgewühlt. Er schoss schnelle, furchtsame Blicke in alle Richtungen, dann drehte er sich um und setzte zu einem Spurt an, als ginge es um sein Leben.







Als Teek mich zum ersten Mal kennenlernte, kannte ich ihn schon sehr gut. Meine Besitzer wohnten direkt neben dem Trainingsplatz, wo die Polizeihunde trainiert wurden, und ich hatte oft vom Fenster aus zugesehen,wie er mit seinem geliebten Besitzer trainierte. Da war Teek noch nicht so. Nein, er war ein ganz normaler Schäferhund und er arbeitete perfekt mit seinem Besitzer zusammen. Dass er ihn anhimmelte, sah man. Er tat alles, was sein Besitzer verlangte, mit maximaler Fürsorge und Aufmerksamkeit, die Augen die ganze Zeit begeistert auf seinen Besitzer gerichtet. Es machte Spaß ihnen zuzusehen, weil man deutlich merkte, dass die Chemie zwischen ihnen stimmte. Und der geschmeidige, flinke, kräftige Schäferhund zog auf dem Platz alle Blicke auf sich. So war es eine Weile lang. Wir waren beide jung und ich wünschte mir oft, ich könnte Teek treffen und mit ihm sprechen, denn schon damals war er ein beeindruckender Hund. Und eines Tages ging mein Wunsch in Erfüllung, wenn auch auf ganz andere Art, als ich gedacht hatte.
Ich hatte auch oft zugesehen, wie die Wagen auf Streife gingen. Es musste spannend sein. Einmal wurde ich durch das Schrillen der Sirenen aus dem Schlaf gerissen, ich rannte zum Fenster und blickte hinab auf eine lange Reihe von Streifenwagen, die in halsbrecherischem Tempo die Auffahrt hinter sich ließen und davondüsten. Irgendwo in einem dieser Wagen musste der junge Schäferhundmischling sein, den ich so gerne beim Training beobachtete, das wusste ich. Und es musste ein heikler Einsatz sein, denn das Revier war sehr leer danach. Drei Stunden lang blieben sie weg. Als sie zurückkamen, war ein Krankenwagen dabei. Irgendetwas war passiert. Das waren Menschenangelegenheiten, ich scherte mich nicht darum. Aber seit dem Tag war etwas anders. Ich weiß nicht, was während dieses dramatischen Einsatzes passierte, aber als ich das nächste Mal Teek auf dem Trainingsplatz sah, hatte er sich verändert. Er war nicht mehr freundlich und eifrig bei der Sache, er war lustlos und reizbar und wild und biss fast seinen Ausbilder. Und dieser Ausbilder war nicht der, den er normalerweise hatte, es war ein anderer. Dieser hier war brutal. Er hatte eine schwere Eisenkette dabei, mit der er nach Teek warf, wenn dieser nicht gehorchte. Das laute Rasseln und Winseln hörte man sogar durch das Fenster. Was war passiert?! Nun, ich denke, ihr wisst es: Dieser Einsatz hatte Teeks vorherigem Besitzer vermutlich das Leben gekostet.
Seitdem machte es keinen Spaß mehr, zuzusehen. Es war ein Kampf, was sich zwischen Teek und seinem neuen Ausbilder abspielte. Einmal sprang ihn Teek wirklich an, und sein neuer Ausbilder warf sich mit einem Wutschrei auf ihn und sie rangen am Boden miteinander, wühlten die Erde auf. Am Ende begrub der Ausbilder Teek unter sich, aber dieser lag nicht still, sondern versuchte so lange, sich zu befreien, bis sein Ausbilder ihm die Kehle zudrückte. So grausam können Menschen also sein...und das passierte öfter. Manchmal hinkte Teek nach dem Training, und einmal traf ihn die Kette am Kopf. Aber er gab nicht klein bei, ließ sich nicht unterkriegen. Meine Bewunderung für ihn stieg.
Eines Tages reichte es offenbar beiden. Gerade hatte Teeks Besitzer ihm befohlen, über eine Hürde zu springen, und Teek hatte sich geweigert. Er blieb einfach stehen, in Sicherheitsabstand. Sein Ausbilder schwieg kurz, dann begann er, auf Teek zuzulaufen. Langsam, dann schneller. „He, Freundchen!“, brüllte er. „Was denkst du, wer du bist? Spring, sag ich!“ Ich wusste, was jetzt kam, und schloss die Augen. Das Klirren der schweren Kette ertönte, als der Ausbilder sie hochhob und wurfbereit über den Kopf hielt. Aber es folgte kein lautes Scheppern und Jaulen. Stattdessen hörte ich ein lautes, angriffslustiges Bellen und Knurren und den Ruf des Ausbilders: „Was zum Teufel machst du da?!“ Ich öffnete die Augen und sah, dass Teek einen Schritt nach vorne gemacht hatte. Er hatte die Zähne gefletscht und knurrte und bellte bösartig. Der Ausbilder holte erneut aus, um die Kette nach ihm zu werfen, und dann ging alles sehr schnell. Die Kette wirbelte durch die Luft, aber Teek war schneller, sprang ihr entgegen und warf sich auf seinen Besitzer. Dieser brüllte auf wie ein Stier, ging aber unter dem Gewicht des Hundes zu Boden, der auf seiner Brust aufprallte. Teek kümmerte sich nicht weiter um diesen Mann, der ihn so gequält hatte. Er rannte über ihn hinweg und auf den fast 3 Meter hohen Maschendrahtzaun zu, der ihn von der Freiheit trennte. Da begriff ich, was er vorhatte.
Ich wollte ihm zurufen: Nein! Lass das bleiben, das kannst du nicht! Du tust dir weh!, aber durch das Fenster ging es nicht. Sein Ausbilder hob den Kopf und zog sich mühsam auf die Knie, offenbar hatte er sich wehgetan. Alle auf dem Platz wandten den Kopf und guckten, als Teek auf den Zaun zu raste. Als Teek zum Sprung ansetzte, war sein Besitzer schon auf den Beinen und rannte los. Teek stieß sich ab und segelte hoch in die Luft. Noch nie habe ich einen Hund so springen sehen. Wie ein vom Bogen abgeschossener Pfeil sah Teek aus. Aber es konnte nicht reichen! Ich starrte gebannt auf ihn, immer höher, es schien langsam zu gehen.


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 Teek

Gefangener Rächer
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BeitragThema: Re: Teek - aus der Sicht seines Kumpels, dem Doberman Kyle   So Jul 22, 2012 3:25 am

So, fertig^^ (bis auf die Vergangenheit) Very Happy

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 Nightmare

A Shadow in the Night
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BeitragThema: Re: Teek - aus der Sicht seines Kumpels, dem Doberman Kyle   So Jul 22, 2012 4:42 am

klingt super Wink
Schön und ausfürlich beschrieben, auch mal anders als sonst.
und die Vergangenheit darf ja noch nachgereicht werden, aber sie sollte doch irgendwann da sein Smile
du hast aber so auf alle Fälle mein WOB Smile

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Ich habe so eine Sehnsucht zu sterben, denn es wäre kein Verderben. Kaum einer würd mich vermissen, ich fühle mich so innerlich zerrissen. Hass und Liebe sich umarmen, es hat keinerlei Erbarmen.
Ich hasse meine Suizidgedanken,
die ich habe Erlebten zu verdanken.
Ich will nicht mehr sein am Leben,
denn es ist nicht zum Erstreben.
Ich wünschte ich könnte ganz tief schneiden,
dann würd ich nicht mehr leiden.

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